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Besonderer Preis für besondere Schule

Gymnasium Ergolding: Architektenpreis in der Kategorie "Bauen für die Gemeinschaft"

Es ist aus architektonischer Sicht ein funktionaler Vorzeigebau - das Gymnasium Ergolding. Lange Zeit war der Bau umstritten. Zunächst wurde die Notwendigkeit eines weiteren Landkreisgymnasiums nicht unbedingt gesehen, dann fanden einige die Architektur gewöhnungsbedürftig. Mittlerweile sind die Querelen längst vergessen und die Kommunalpolitiker schmücken sich gerne mit dem Gymnasium Ergolding. Dass der Bau etwas Besonderes ist, das sieht auch der Bund der Architekten (BdA) in Bayern so: In der Kategorie "Bauen für die Gemeinschaft" wurde am Samstag im Künstlerhaus in München der Preis an die Architekten Behnisch und Partner in Gemeinschaft mit dem Landshuter Architekturbüro Leinhäupl/Neuber und den Bauherrn, das Landratsamt Landshut, verliehen.

Die Jury hatte es sich nicht leicht gemacht. Ihre Begründung lautet: Das zentrale Element des Hauses ist die von Licht durchflutete Pausenhalle. Sie übernimmt neben ihrer eigentlichen Funktion auch die des Zugangs zur Schule. Darüber hinaus bietet sie einen besonderen Raum für den alltäglichen Schulbetrieb und Schulveranstaltungen. Die davon abgehenden Flure sind als breitere, vorgelagerte Bereiche eine Erweiterung der Klassenräume und Orte für Begegnungen außerhalb des Unterrichts zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Diese sogenannten Lernlandschaften unterstützen die pädagogische Arbeit maßgeblich. Die Unterrichtsräume des Gymnasiums Ergolding sind vielfältig nutzbar und richten sich dabei nach den Bedürfnissen der Kinder. Sowohl bei Gruppenarbeit mit hohem oder niedrigem Lärmpegel als auch bei freier Stillarbeit, konzentrierter Einzelarbeit oder Bewegungspausen ermöglicht die Architektur die entsprechende Lernumgebung. Sie werden ergänzt durch Differenzierungsräume, in denen Schüler in Kleingruppen gezielt in bestimmten Bereichen individuell gefördert werden.

"Wir freuen uns riesig über den Preis", sagt Diplom-Ingenieur Markus Neuber und spricht damit auch für seine Kollegen von Behnisch-Architekten, die die Bewerbung eingereicht hatten. Die Bewerbungsunterlagen sind von beiden Büros gemeinsam erstellt worden. In der Kategorie "Bauen für die Gemeinschaft" setzten sich die beiden Büros gegen drei Mitbewerber durch. "Es war eine sehr schöne Preisverleihung", schwärmt Markus Neuber. Neben einer Urkunde wurde eine etwa 20 Zentimeter große Plakette überreicht. Sie soll in den nächsten Tagen am Gymnasium angebracht werden.

Peter Dreier freut sich als Landrat für den Landkreis über die Auszeichnung des Bundes der Architekten. Es sei eine Würdigung der Leistung der Architektengemeinschaft, aber auch für den Bauherrn, der seinerzeit die richtige Entscheidung getroffen habe. "Das Gymnasium Ergolding ist eine wichtige Säule in der Bildungsregion Landshut", betont Dreier, und mit dem Preis werde dieser Stellenwert untermauert. "Wir sind natürlich stolz auf den Preis", sagt der Schulleiter des Ergoldinger Gymnasiums, Dr. Klaus Wegmann. Etwas bedauerlich findet er, dass er im Vorfeld nichts von der Preisverleihung in München erfahren hat, sondern von den Medien darüber informiert wurde. Vor einigen Wochen war ein Jurymitglied inkognito in Ergolding und hat die Räumlichkeiten in Augenschein genommen. Am Ende hat Dr. Wegmann zu hören bekommen, dass es gut ausschaue.

Die Begründung der Jury kann Dr. Wegmann "unterschreiben". Die Schulfamilie habe all diese Möglichkeiten, sie werden wie die Aula als Marktplatz der kleinen Schulstadt oder wie die Lernlandschaften bereits gut angenommen. Die variable Lernumgebung ermögliche mit den Differenzierungsräumen viele Chancen, an deren optimaler Nutzung gearbeitet wird. "Die gesamte Schule ist in vielfacher Hinsicht eine gute Tonvorlage, die Aufgabe aller Schulpartner ist es, die Chance in Tore zu verwandeln", sagt Dr. Wegmann. Es war gut, dass die Schulleitung in die letzten Planungsarbeiten einbezogen war, um das architektonische mit dem pädagogischen Konzept in Einklang zu bringen. "Wir hoffen, dass uns dies auch weiterhin schrittweise gelingt", erklärt der Direktor des Gymnasiums.

"Ich gratuliere den Architektenbüros Behnisch und Leinhäupl/Neuber ganz herzlich zur Verleihung dieses Preises", heißt es in einer Pressemitteilung von Rosi Steinberger, der Abgeordneten der Grünen im Bayerischen Landtag und Kreisrätin im Landkreis Landshut. Dieses Gymnasium wurde von den Bürgern des Landkreises in einem Bürgerentscheid erstritten. Im Kreistag formierte sich daraufhin eine Arbeitsgruppe, die den Bau in enger Abstimmung mit den Architekten begleitet hat. "Ich freue mich sehr, dass ich in dieser Arbeitsgruppe mitarbeiten durfte und miterleben konnte, wie der Bau gewachsen ist", so Steinberger. Die Zusammenarbeit mit den Architekten verlief immer sehr konstruktiv und lösungsorientiert. Der Entwurf der Architekten sei von Anfang an nicht nur am Raumprogramm, sondern vor allem an den Nutzern orientiert gewesen, die sich in dieser Schule wohlfühlen sollen.